Aktuelle Forschung
Künstliche Intelligenz und makroökonomische Dynamik: Wachstum, Preisbildung und Verteilung
Autoren: Helen Popper (Santa Clara University), Christoph Schult (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle)
Status: Arbeitspapier (Stand: Januar 2026)
Abstract: Dieses Papier entwickelt ein handhabbares allgemeines Gleichgewichtsmodell, in dem Künstliche Intelligenz (KI) von einem Monopolisten produziert wird, der sowohl durch „Learning-by-Doing“ lernt als auch KI rekursiv als Inputfaktor nutzt. Die explizite Modellierung der KI-Produktion verdeutlicht, wie sich KI-Preise, Adoptionsdynamiken, langfristiges Wachstum und relative Löhne im allgemeinen Gleichgewicht entwickeln. Lernen und Eigenverbrauch führen dazu, dass die Preisgestaltung des Monopolisten vorausschauend und endogen erfolgt. Dies erzeugt zwei unterschiedliche Adoptionsregime – „Learning-first“ und „Scale-first“ –, welche die makroökonomischen und distributiven Ergebnisse prägen.
Zur analytischen Klarheit charakterisiert das Papier einen verallgemeinerten ausgewogenen Wachstumspfad (Generalized Balanced Growth Path) unter einem Cobb-Douglas-Benchmark. Dieser Benchmark liefert eine geschlossene Bedingung für stabiles, nicht-explosives Wachstum und impliziert, dass der KI-Output schneller wächst als der Endoutput, der relative Preis von KI dauerhaft sinkt und die Reallöhne mit dem Gesamtoutput steigen.
In einer Erweiterung auf CES-Technologien leitet das Papier eine geschlossene effektive Nachfrageelastizität für KI her, die Inputsubstitution in der Produktion mit Produktmarktsubstitution zwischen differenzierten Varianten kombiniert. Diese Kräfte bestimmen gemeinsam die KI-Aufschläge (Markups) und die Preisdynamik. Simulationen zeigen, dass Komplementarität bei den Endgut-Inputs ein kapitalarmes „Learning-first“-Adoptionsregime erzeugt, während Substituierbarkeit zu einer „Scale-first“-Adoption führt und das Zwei-Phasen-Muster abschwächt. Auf der Verteilungsseite ist die Lohnprämie für spezialisierte Arbeitskräfte am geringsten, wenn Endgut-Inputs Komplemente sind, und steigt mit zunehmender Substituierbarkeit; eine höhere Substituierbarkeit in der KI-Produktion verstärkt diese Effekte.
Transitionsdynamiken in Modellen heterogener Agenten und die Verteilungswirkungen der Besteuerung
Autoren: Alexandra Gutsch (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg & IWH), Christoph Schult (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle)
Status: In Arbeit
Abstract: Diese Arbeit untersucht die Verteilungswirkungen der Steuerpolitik auf Ebene der Vermögensdezile unter Verwendung eines Modells heterogener Agenten sowie eines Repräsentativ-Agenten-Modells mit zehn Agenten. Während beide Frameworks weitgehend vergleichbare aggregierte Reaktionen auf Steuerschocks zeigen, erzeugt das Modell heterogener Agenten unregelmäßige und zustandsabhängige Impuls-Antwort-Funktionen auf Dezilebene. Diese Dynamiken erschweren die Interpretation der Verteilungseffekte fiskalischer Interventionen, wie etwa Erhöhungen der Arbeits- oder Kapitalbesteuerung.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Rückgänge der wirtschaftlichen Aktivität nach Steuererhöhungen primär durch die oberen Vermögensdezile getrieben werden. Gleichzeitig stabilisieren theoretisch implizierte Transitionsdynamiken zwischen den Dezilen den Konsum in den unteren und mittleren Vermögensschichten, was eine Abwärtsmobilität aus höheren Vermögens- und Einkommensgruppen widerspiegelt.
Schlagwörter: Heterogene Agenten; Krusell-Smith-Modell; Unvollständige Märkte; Computergestützte Ökonomik
JEL: C63, D31, D52, D58, E21
Wachstumsklubs und regionale wirtschaftliche Konvergenz in Deutschland
Autoren: Oliver Holtemöller (MLU Halle-Wittenberg & IWH), Christoph Schult (IWH), Anna Solms (IWH, Korrespondenzautorin)
Status: In Arbeit
Abstract: Viele Regionen weltweit bleiben hinter fortgeschritteneren Regionen zurück. Dieses Papier untersucht regionale Wachstumsunterschiede innerhalb einer entwickelten Volkswirtschaft unter Verwendung eines neu erstellten Datensatzes auf Kreisebene für Deutschland, der Schätzungen des Kapitalstocks und regionale Preisindizes umfasst. Wir finden keine Evidenz für eine unbedingte Konvergenz zwischen den Landkreisen, selbst unter Berücksichtigung zentraler Treiber des langfristigen Wachstums wie der Akkumulation von Sach- und Humankapital.
Stattdessen identifizieren wir mittels endogener Clustering-Methoden fünf Konvergenzklubs. Wir analysieren Unterschiede in den Wachstumspfaden dieser Klubs und zerlegen das Wachstum in Beiträge von Kapital, Arbeit und totaler Faktorproduktivität. Darüber hinaus untersuchen wir die Rolle der Migration und zeigen, dass die Nettomigration das Wachstum insbesondere in den fortgeschritteneren Regionen unterstützt hat, was ihre Bedeutung für die regionale wirtschaftliche Entwicklung unterstreicht.
Schlagwörter: Regionales Wirtschaftswachstum; Konvergenzklubs; Wachstumsbuchhaltung
JEL: C23, O47, R11
Hinweis: Die hier aufgeführten laufenden Forschungsprojekte sind noch nicht abgeschlossen und haben noch kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen. Beiträge werden in den Bereich „Publikationen“ verschoben, sobald sie akzeptiert oder veröffentlicht wurden.
